Buch “Legal High” einfach köstlich

Buchvorstellung “Legal High”

Dope ist bereits in der Mitte der Gesellschaft fest verankert, mitunter 3und 6 Millionen Deutsche rauchen die Droge wiederkehrend. Sachte!,

jeoch getreu kommt der grüne Umschwung auch bei Politik wie auch ebenso Volkswirtschaft an. Was wäre, falls – darüber schreibt Rainer Schmidts in seinen neuen Roman.

Schmidt-Legal-High
Schmidt-Legal-High

Der Dude ist back in “Legal High“. denkste, mitnichten die mittelalte Gattung mit dem schlabbrigen Morgenmantel, der wirren Frisur und dem destruierten Knüpfwerk aus dem Kultstreifen “The Big Lebowski” – statt dessen der Gattung mit dem extravaganten Zwirn, den modernen Schlangenlederstiefeln sowie der in Schutt und Asche liegenden Cannabisplantage. Der Kerl, der sich in Rainer Schmidts letztem Roman “Die Cannabis GmbH” mit potentem Cannabi aus selbst Anbau erst vom Kleingrower zum ordentlichen Unternehmer hinauf arbeitete und dann nach einer verflechtung schlechter Umstände kurz vor der selbstständigen Frühverrentung doch noch aufflog und im Gefängnis landete.

Am Anfang von “Legal High”, dem Nachfolger der Cannabis-Erzählung, sitzt der Dude nun nebst all den schweren Jungs im geschlossenen Vollzug und versucht, von sein Dasein zu retten, was noch zu bergen ist. Viel ist das bei weitem nicht: Während seine Freundin, die “Elbchausseeperle” aus der edlen Hamburger Aristokratie, den frischen Konstitution ihres Freundes überhaupt nicht entzückend findet und Abwechslung bei dem abgebrühten Hipster Boss eines trendigen Energy-Drink-Label sucht, lässt sich der inhaftierte Grasbauer mit der russischen Camorra ein, um nicht von den eigenartigen Zellenkameraden gelyncht zu werden. Alles in allem eine deutlich üble Konstellation – vor allem, weil im Freien gerade der Umschwung seinen Lauf nimmt, auf die der Dude sein ganzes Dasein lang gewartet hat.

Cannabis, mit 4 bis 6 Mio. wiederkehrenden Abnehmern allemal bereits in der Mitte der Bevölkerung angekommen, wird endlich auch gesellschaftsfähig: Berufspolitiker und auch Ärzte setzen sich für eine Legalisierung ein, allen voran die CSU, die die schmachtende Agrarwirtschaft in Bayern mithilfe des Dope`s aufmöbeln will. Die Volkswirtschaft springt auf den Zug mit auf, Mutti Merkel folgt in altbekannter Stück-für-Stück Taktik, bis endlich in der nahen Zukunft Cannabi als Genussmittel auf einer Ebene mit Feuerwasser steht.

Alle gegen jeden

Den Weg dorthin beschreibt Schmidt äußerst genüsslich auf, indem er die Bücherwürmer in fiktive Hintergrundgespräche, Meetings sowie Krisensitzungen mit nimmt. Der Dude an sich muss sich in “Legal High” mit einer Rolle begnügen die etwas am Rand steht, viel mehr als noch im vorherigen Buch geht es dem Schreiber darum, die politischen und ökonomischen Verlauf im Hintergrund zu beleuchten. Mit Idiologie hat das durchaus wenig zu tun, abgewetzter Zynismus ist die Order. “Nimm das Einstiegsdrogen-Ding, klang immer super, Hammerschock für alle Erziehungsberechtigten”, klagt etwa der Referent des Deutschen Brauereiverbandes im Dialog mit einem vermeintlichen Mitkämpfer, der ihn später verraten wird: “Zieht absolut nicht mehr, plötzlich kennen alle die wahren Zahlen und fragen nach Belegen. Belege? Verstehst du? Was ist da los? Seit wann müssen wir unsere Behauptungen belegen?”

Jedermann intrigiert hier gegen jeden, und vor allem die Mächtigen werden als Getriebene ihrer selbst dargestellt – vom in sich selbst verliebten Energy-Drink-Herstellertypen bis hin zum genialen aber hemmungslosen Chemiker, der seinen Penis gerne in Mutterboden steckt, um seinen Ödipuskomplex auszuleben. Schmidts Beschreibung der deutschen Crème de la Crème ist völlig enthemmt, was im gleichen Augenblick Fluch und Segen ist: Die Vorstellung, dass Freie und Hansestadt Hamburg Innensenator gegen die Kriminalität in Hamburg mit harter Hand vorgeht, derweil er in demselben Augenblick als getarnter Grasbaron Flüchtlinge auf seinen Acker abmühen lässt, hat beileibe etwas – der Kontrast ist gewiss so stark, dass das Konterfei dadurch wieder an Schwung verliert. Wenn der Verfasser seine mit Gewissheit nicht verkehrten Erleuchtung von einer korrumpierten und verschimmelten Führungsklasse ab und an nicht ganz so platt bedienen würde, statt dessen einstweilen auch etwas Raum für Zwischentöne ließe, könnte man den Schmöker noch eine Spur ernster nehmen.

Das ist durchaus Nörgeln auf hohem Level, denn die 347 Buchseiten von “Legal High” unterhalten blendend. Schmidts Ausdruck entwickelt beim schmökern eine bequeme Wirkung, ohne jemals nervend zu werden. Vor allem die Stimmen der differenzierenden Arten des kauzigen Businesssprechs aus der Führungsebene deutscher Start-Ups und Konzernen kann der Autor einfach Klasse und demaskiert die Spitzen aus Ökonomie und Politik als das, was sie größtenteils sind: Luftnummern.

Ob Schmidts Eindruck von einer Legalisierung hierzulande eintreten wird, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Fest steht jedoch jetzt schon, dass es so oder auch so entsprechend de facto passieren könnte. Den Dude würde das wenigstens amüsieren.

Viel Spaß beim lesen 😉

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